Was ist Trance, was ist Hypnose?
 

Trance bezeichnet zunächst einen gewissen Bewusstseinszustand. Was sind Bewusstseinszustände? Wir alle kennen Schlaf und Wachzustand als unterschiedliche Bewusstseinslagen. Wenn wir, wie es oft gemacht wird, Trance als „dritten Bewusstseinszustand“ – zusätzlich zum Wach- und Schlafzustand – bezeichnen würden, würde das jedoch zu kurz greifen. In Wirklichkeit hat unser Bewusstsein prinzipiell unendlich viele Zustände, oder „Bewusstseinslagen“, die es annehmen kann: Denken wir z.B. daran, wie wir uns fühlen

      • beim Aufwachen, also zwischen Schlaf und Wachsein: Während sich unser Körper zumindest teilweise noch im Schlafzustand, mit völliger Entspannung und Bewegungslosigkeit der Muskeln, befindet, wacht unsere Aufmerksamkeit auf und beginnt, die Umgebung wahrzunehmen. Erst nach und nach erreichen wir körperlich und mental einen Zustand, den wir als vollständig „wach“ bezeichnen.
      • beim Lesen eines fesselnden Buchs: Wir befinden uns mit unserer Vorstellung „in“ der Geschichte, haben Personen und Schauplätze „vor Augen“ und fühlen mit den Personen im Buch, während unsere Wahrnehmung die Umgebung vollständig ausblendet.
      • beim Autofahren: Während einer längeren Autofahrt verbringen wir die Zeit damit, Radio oder Musik zu hören, unterhalten uns mit Beifahrern oder hängen eigenen Gedanken nach. Wenn wir am Ziel ankommen, können wir uns an Einzelheiten der Fahrt kaum erinnern. Wir sind „automatisch“ gefahren und haben unser Bewusstsein dabei mit anderen Dingen beschäftigt.
      • während eines Meetings, wenn wir nicht selbst vortragen: Wir langweilen uns, hängen eigenen Gedanken nach, erledigen – wenn es erlaubt ist – eigene Arbeiten, und widmen dem Meeting nur soviel Aufmerksamkeit, dass wir für uns Relevantes – wenn es etwas gibt – bemerken und nicht negativ auffallen, z.B. wenn wir angesprochen werden.
      • auf einem Berggipfel, den wir gerade auf einer anstrengenden Tour erstiegen haben: Unser Kreislauf ist angeregt, das Herz schlägt zuerst lebhaft und wird dann mit zunehmender Erholung ruhiger, wir atmen tief, die Muskeln entspannen sich und wir genießen die Ruhe, den wunderbaren Blick vom Berggipfel, das Gefühl, den Berg „geschafft“ zu haben und verweilen einige Momente ganz im Augenblick.

Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und soll nur zeigen, dass unser Bewusstseins- und Aufmerksamkeitszustand sehr variabel ist und sich sogar mit mehr als einer Aufgabe gleichzeitig beschäftigen kann. Noch mehr, dass nicht alles, dem wir unsere Aufmerksamkeit widmen, vollständig unser Bewusstsein erreichen muss (z.B. Autofahren).

Trance

Welche dieser vielen Bewusstseinszustände würden wir als Trance bezeichnen?

Der Augenblick des Aufwachens, auch der des Einschlafens, hat mit Sicherheit eine gewisse Ähnlichkeit mit Trancezuständen, die sich mit verschiedenen Methoden erreichen lassen: Kennzeichen ist der Unterschied zwischen dem körperlichen Ruhe- und Entspannungs- und dem mentalen Wachzustand, d.h. wir können den fast oder noch schlafenden Körper mit unserem „Wach“bewusstsein wahrnehmen. Gleichzeitig ist aber das Wachbewusstsein noch oder schon verändert: Die Gedanken fangen an, sich zu „verselbständigen“, wir nehmen Traumereignisse war.

Das Lesen eines Buches führt zu einer Art meditativem Trancezustand: Wir lassen uns vom Buch in eine nicht real existierende Welt führen, an der wir mit unserer Vorstellung und mit unseren Emotionen teilnehmen. Das kann unsere Aufmerksamkeit so fesseln, dass wir die um uns herum real existierende Welt nicht mehr wahrnehmen und z.B. auf Ansprache nicht reagieren.

Die „Autofahrertrance“ ist in gewisser Weise das Gegenteil: In der Regel kommen wir sicher an, auch wenn wir uns an Einzelheiten der Fahrt nicht erinnern können. Wir haben beim Autofahren eine komplexe Aufgabe ausgeführt, die unter anderem auch die genaue Beobachtung der Umgebung, und die schnelle Reaktion auf Veränderungen, Kurven, Tempowechsel, einschließt. Unsere bewusste Aufmerksamkeit haben wir dabei aber dem Gespräch mit unseren Mitfahrern gewidmet. Körperlich waren wir nicht in einem Entspannungszustand oder haben erst recht nicht geschlafen.

Als „therapeutische“ Trance könnte man einen Bewusstseinszustand bezeichnen, in dem zum einen körperliche Entspannung herbeigeführt wird, zum anderen die bewusste Aufmerksamkeit fokussiert und auf Vorgänge gelenkt wird, die geeignet sind, Symptome zu lindern und den Gesundheitszustand, egal ob körperlich oder mental, zu verbessern. Die – möglichst tiefe – körperliche Entspannung führt zum einen dazu, dass der Körper auf „Erholung“ umschaltet, wie das auch im Schlaf geschieht: Atmung und Puls verlangsamen sich, die Muskulatur entspannt, die Blutgefäßmuskulatur entspannt ebenfalls, wodurch die Hautdurchblutung verbessert wird und der Blutdruck sinkt. Die Spiegel der Stresshormone sinken ab, und die verschiedenen Organ- und Zellsysteme im Körper erholen sich.

Zum anderen führt die Entspannung zu einer Verbesserung der mentalen Konzentrationsfähigkeit: Wir können uns besser Dinge vorstellen, also z.B. erholsame Orte visualisieren, oder „Heilmeditationen“ verfolgen, und wir können besser Erinnerungen abrufen. Wenn wir möchten, können wir auch mit der gesteigerten Aufmerksamkeit Körpersymptomen nachgehen und versuchen, sie zu ergründen und zu lindern.

Wichtig ist, dass wir Trancezustände, und gerade eben erholsame und heilende Trancezustände, absichtlich herbeiführen können.

Hypnose

Der Begriff Hypnose ist nicht nur bei Laien, sondern auch in Fachkreisen mit unterschiedlichen Vorstellungen verbunden. In unterschiedlichen Sprachen können zusätzlich diese Assoziationen stark voneinander abweichen: Im anglo-amerikanischen Sprachraum wird mit „hypnosis“ etwas grundlegend anderes assoziiert als im Deutschen mit „Hypnose“.

Unter Laien wird schnell an Show- und Bühnenhypnosen gedacht, bei denen Versuchspersonen unter dem „Einfluss“ des Hypnotiseurs allerlei unsinnige Dinge tun. Es entsteht der Eindruck, der Hypnotiseur kann die Versuchspersonen steuern und sie folgen ihm willenlos. Assoziiert damit werden Ängste, in der Hypnose „stecken zu bleiben“, nicht mehr aus der Hypnose „aufzuwachen“.

Bei Therapeuten ist Hypnose eine Therapietechnik zur Stressreduktion und zur Behandlung von Störungen und Krankheiten, eine Technik, mit der sich Verhalten und Empfinden der Patienten beeinflussen und ändern lässt.

Dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen: Eine Unterscheidung verschiedener Ansätze besteht darin, wie direktiv gearbeitet wird. Der direktive Ansatz gibt, ähnlich wie beim Bühnenhypnotiseur, dem Patienten einen direkten Auftrag, was er zu tun hat („Du wirst nicht mehr rauchen“). Indirekter ist die Methode, den Patienten selbst den Weg finden zu lassen, mit der er ein Problem lösen möchte, und dabei die eigene Zielsetzung des Patienten als Grundlage zu nehmen (Der Patient kommt in die Behandlung, weil er aufhören möchte, zu rauchen: „Du wirst einen Weg finden, wie es Dir gelingt, nicht mehr zu rauchen“).

Der Unterschied zwischen den Methoden klingt zunächst klein, allerdings muss beachtet werden, was während der Hypnosesitzung technisch gemacht wird. Beim ersten Vorgehen würde der Therapeut den Patienten in eine möglichst gute und angenehme Trance versetzen, und ihm dann die Anweisung „Du wirst nicht mehr rauchen“ so geben, dass sie möglichst gut befolgt wird. Dazu würde möglicherweise auch gehören, dass die Trance so tief ist, dass der Patient sich danach gar nicht mehr erinnern kann, die Anweisung bekommen zu haben.

Bei der nicht direktiven Vorgehensweise werden die bewussten und unbewussten Vorgänge des Patienten einbezogen, und der Patient wird in die Lage versetzt, die Verhaltensänderung selbst herbei zu führen. Ein direkter Auftrag durch den Therapeuten wird nicht gegeben. Der Therapeut beschränkt sich darauf, den Patienten in die Trance zu führen und in der Trance zu mentalen und emotionalen inneren Vorgängen, die die Lösung des Problems ermöglichen.

Der Unterschied ist auf den zweiten Blick also doch recht groß: Die erste Methode gibt dem Patienten eine Verhaltensänderung als zu erfüllende posthypnotische Aufgabe, die so genannte posthypnotische Suggestion, und benutzt die Mittel der hypnotischen Bewusstseinsveränderung dazu, dass der Patient das möglichst zuverlässig macht. Die zweite Methode lässt den Patienten selbst den inneren Weg zur gewünschten Verhaltensänderung finden.

Der Begriff „Hypnose“ führt also etwas in die Irre und ist so stark mit Assoziationen vorbelegt, dass er sich zur Beschreibung dessen, was ein Hypnosetherapeut macht, nicht gut eignet: Nämlich das Herbeiführen einer therapeutischen Trance, ihre Aufrechterhaltung und Beendigung.

Technisch wird der Therapeut zunächst dem Patienten zeigen, wie er in eine Trance gelangen kann: Es ist nämlich eigentlich schon nicht einmal so, dass der Therapeut den Patienten in die Trance „versetzt“. Der Patient versetzt sich schrittweise selbst in die Trance, indem er den Anweisungen – besser: den Vorschlägen – des Therapeuten folgt. Meistens werden hier Techniken zur körperlichen Entspannung und Ausblendung von äußeren Sinneseindrücken verwendet. Wenn eine ausreichend tiefe Trance erreicht ist, kann mit unterschiedlichen Vorgehensweisen das Problem bearbeitet werden, das behandelt werden soll (z.B. Schmerz, Angst, Verhaltensänderung). Am Ende der Sitzung erfolgt eine Anleitung durch den Therapeuten, wie die Trance beendet wird.

Eine therapeutische Hypnosesitzung ähnelt also mehr einer geführten Meditation als dem, was man in einer Bühnenhypnose erlebt.

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